Besonderheiten des Körpers

Im Zuges eines Gesundheitstages an der Bockhorner Haupt- und Realschule habe ich ein wenig über Besonderheiten des menschlichen Körpers erzählt. Es ist ein wenig Arbeit die dafür interessanten Daten zusammenzutragen, aber der Körper ist einfach unglaublich! Das meine ich generell und nicht personenbezogen. Obwohl...?! Wenn man bedenkt, das der Körper zu über 80% aus Wasser besteht ist es schon fantastisch, was manche aus den restlichen 20% gemacht haben...

Ich würde mich freuen wenn Ihr Euch einen kleinen Augenblick Zeit nehmt und diesen Text lest. Nochmehr würde ich mich freuen, wenn sich an manchen Stellen Eure Mundwinkel den Ohren nähern... Viel Spaß! Noch was: Da ich diesen Text verfasst habe, betrachte ich diesen als mein geistiges Eigentum. Wenn ihn jemand verwenden möchte, dann bitte ich höflichst, aber mit Nachdruck auf eine Anfrage. Und jetzt viel Spaß beim Lesen.

Betrachtet man den menschlichen Körper, so sieht er auf den ersten Blick relativ einfach aus. Einen Kopf, einen Rumpf, Arme und Beine – alles überzogen und geschützt von unserer Haut. So sieht es im Normalfall aus. Was ist die Haut eigentlich? Die Haut ist nach dem Darm unser zweitgrößtes Organ mit 6 Millionen Zellen pro Quadratzentimeter. Außerdem ist sie wasserdicht, atmungsaktiv, sensibel, säureabweisend, selbstfettend, zug- und druckfest, selbstregenerierend und selbstreparierend ohne weiteres zutun – absolutes Hightechmaterial!

6'000'000 Zellen auf einem Quadratzentimeter Haut – das ist eigentlich nicht viel, wenn man bedenkt, das der Körper aus 50 – 100 Billionen Zellen besteht – eine 1 mit 11 Nullen und jede Zelle aus 10'000 mal so vielen Molekülen besteht, wie die Milchstraße Sterne besitzt und das sind ca. 100 Milliarden Sterne.

Alle diese Zellen kommunizieren und agieren untereinander, mehr oder weniger. Diese Informationen werden als elektrische Impulse über die Nerven weitergeleitet, da wir aber keine Batterie besitzen finden diese Impulse ihren Ursprung in chemischen und physikalischen Prozessen. Pro Sekunde finden im Körper 10 hoch 30 chemische und physikalische Vorgänge statt – für Atmung, Verdauung, Blutbildung, Herztätigkeit, z.T. Denken uvm. Es ist also eine fast unglaubliche Leistung, was alles gleichzeitig funktionieren muss um zu überleben.

Damit wir überleben wurden wir mit Reflexen ausgestattet, die ebenfalls sehr interessant sind. Elektrische Impulse werden mit bis zu 400 km/h durch den Körper geleitet, meistens mit geringerem Tempo, aber wenn es darauf ankommt, dann geht es schnell zu Sache. Zum bildlichen Verständnis: Wenn ich jemandem plötzlich aus kurzer Entfernung einen Tennisball (sanft) zuwerfe, dann sollte (wenn alles vernünftig funktioniert) derjenige den Ball fangen. Was passiert aber bis zum Fangen? Grundsätzlich muss die Person als erstes erkennen das ein Gegenstand auf ihn zukommt, dann muss sie den Gegenstand erkennen und als gefährlich oder ungefährlich einstufen, denn gefährliche oder ekelige Gegenstände würde man eher nicht fangen wollen. Anschließend muss die voraussichtliche Flugbahn berechnet werden, gleichzeitig der rechte oder wahlweise linke Arm in Position gebracht, die Hand geöffnet und im richtigen Augenblick geschlossen werden – das benötigt eine hohe Geschwindigkeit in der Reizweiterleitung. Funktioniert das nicht, gibt es den Ball oder ähnliches an den Kopf.

Um existieren zu können, müssen wir uns ernähren. Bevor wir aber etwas zu uns nehmen, kommen unserer alten Instinkte aus der Zeit des Jägers und Sammlers zum Zuge – Nahrung mit den Auge beurteilen, Riechen, Schmecken – kommt die Nahrung durch diese Kontrolle, dann werden wir satt. Man hat Versuche durchgeführt, bei denen zum einen Nahrungsmittel wie bekannt und zum anderen die gleichen Nahrungsmittel, mit ungefährlicher Lebensmittelfarbe eingefärbt, präsentiert wurden. Es wurden in der Regel die ungefärbten bevorzugt – das Auge isst mit.

Auch was wir in unserem Leben zu uns nehmen ist nicht zu verachten: 945 Hühner, 46 Schweine, 46 Truthähne, 37 Enten, 12 Gänse, 4 Schafe, 4 Kühe oder Kälber – und Frauen zusätzlich bis zu 3 Kg Lippenstift! (bei Ermittlung dieser Zahlen sind wahrscheinlich alleinstehende, naturverbundene, nichtrauchende und –trinkene Sozialpädagogen/innen nicht berücksichtigt worden). Da macht unser Darm, der etwa 8x so lang, wie der jeweilige Mensch groß ist und beim Erwachsenen eine Fläche von ca 200 Quadratmeter aufweist, eine ganze Menge durch. Eine beachtliche Leistung.

Die Niere, ein ebenfalls nicht unwichtiges Organ, ist immer ein schönes Beispiel für die Beweglichkeit der Organe. Jedes Organ muss sich zu seiner Umgebung bewegen können, kann es das nicht, treten Einschränkungen in der Funktion des jeweiligen Organs statt. Durch den Einfluss des Zwerchfells bewegt sich die Niere ca. 1,5 cm nach oben und wieder nach unten, also 3 cm. Bedenkt man das wir am Tag ca. 20'000 Atemzüge machen, bewegt sich eine Niere jeden Tag über eine Strecke von 600m! Fehlt der Niere nur ein halber Zentimeter pro Richtung, also ein Drittel, dann fehlt der Niere über den Tag gesehen Bewegung über eine Strecke von 200m und das ist eine ganze Menge. Wenn wir dann noch bedenken, das die Organe eine recht schlechte Schmerzwahrnehmung haben, kann es sein, das sich schon lange kleine Einschränkungen finden aber wir sie sehr spät spüren. Der Niere würde bei diesem Rechenbeispiel über das Jahr gesehen übrigens 73 km fehlen, eine frei bewegliche Niere bewegt sich ca. 219 km im Jahr. Das ist vom Jadebusen bis hinter Hannover. (unseren Kursteilnehmern ist das lääääängst bekannt) Nebenbei bemerkt fließt durch eine Niere ca. 1,2 Liter Blut pro Minute die gefiltert werden wollen. Da der Tag aus 720 Minuten besteht kommen wir laut Taschenrechner auf 864 Liter pro Tag und Niere, also 1728 Liter die durch beide Nieren fließen. Wir können froh sein, das nur ein Bruchteil dessen den Körper durch die Blase und Harnröhre wieder verlässt (1000 – 1500 ml/Tag), denn wir sitzen so schon, bei einer durchschnittlichen Lebenserwartung in Deutschland von 80,1 Jahren, 6 Monate unseres Lebens auf der Toilette.

Kommen wir zu den Gefäßen die nicht nur den Darm und die Nieren sondern den ganzen Körper versorgen. Würde man alle Gefäße hintereinander legen, so würde man auf eine Strecke von 2'500 km kommen. 2'500 km ist die ungefähre Entfernung zwischen Paris und Moskau.

Auch über das Gehirn findet sich eine beachtliche Zahl: Würde man alle Nerven die sich im Gehirn befinden hintereinander legen, so würde man auf eine Strecke von 500'000 bis 1'000'000 km kommen (je nach Informationsquelle), oder anders ausgedrückt 12,5 bis 24 mal um den Äquator. Aber es finden sich immerhin auch 100 Milliarden bis 1 Billion Zellen im Kopf. Ich gebe zu, bei manchen Leuten bezweifelt man das, zumindest ist man sich sicher, das nicht alle angeschlossen sind, aber das ist eine bis jetzt noch nicht bewiesene Theorie. Diese ganzen Zellen sind wichtig um die 1 Trillion Rechenschritte auszuführen zu der das Gehirn in der Lage ist. Wenn man bedenkt, das wir nur ca. 10% unseres Gehirns nutzen ist auch diese Zahl faszinierend. Als zusätzliche Information möchte ich gern anmerken, das bei einem Strauß das Auge größer ist als sein Gehirn – ich habe Menschen getroffen… zumindest habe ich gezweifelt, das die ebenfalls vom Affen abstammen, eher vom Strauß. War vielleicht auch nur ein subjektiver Eindruck. Die ersten OP’s am Gehirn, die die Patienten überlebt haben wurden übrigens ca. 3500 v. Chr. durchgeführt. Man hat Schädel aus dieser Zeit gefunden, bei denen der Schädel geöffnet wurde und anschließend auch eine Knochenheilung stattgefunden hat. Somit müssen die Menschen dieses überlebt haben. Beeindruckend!

Lassen wir diese ganzen Informationen noch einmal kurz durch unseren Kopf gleiten, dann muss man sich eigentlich die Frage stellen: Was wissen wir über den Menschen? Sicherlich wissen wir eine ganze Menge über die Anatomie, die verschiedenen Funktionen, Aufbau usw. aber es gibt eine ganze Menge mehr. Jeder Mensch ist anders, ist einzigartig und etwas besonderes. Alle möglichen Zellen und Gewebe geben Informationen ab und nehmen Informationen auf. Ein Kollege (hallo Berthold - ich muss immer noch an das Telefonat denken) sagte mal: Im Grunde machen wir keine Behandlung, sondern eine Gewebeinformationsveranstaltung - ich nenne meine Praxis bald um in "Center for Tissueinformation!" Aber nichts anderes machen wir - wir geben Informationen in das Gewebe; und das unterstelle ich mal uns Masseuren, Physios, Osteopathen, das Versuchen wir möglichst gut und individuelle auf die Reihe zu bekommen.

Wer von Euch noch interessante Fakten hat - ich nehme sie gern entgegen. Bis dahin wünsche ich Euch "Goldene Hände"